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  • September 21, 2012 5:29 pm

    Notare, Nutten und Negotiations // Oder: Hundemüde nach drei Wochen DigThis Media

    Einer der unterhaltsamsten Filme, die ich in der letzten Zeit gesehen habe, ist „The Best Exotic Marrigold Hotel“. Wie jedem anderen, der sich dieses zauberhafte cineastische Kleinod angeschaut hat, ist mir vor allem ein Satz im Gedächtnis geblieben: „It will be good in the end - if it’s not good, it’s not the end.“ Davon ausgehend, das das vermeintlichindische Sprichwort richtig ist, kann ich beruhigt die positive Meldung ausgeben: Maik und ich sind NOCH LANGE NICHT am Ende.

    Der sehr clevere und sehr großartige Adam Altman (jetzt: moped.com) hat uns in einer Sparringsrunde zum DigThis-Geschäftsmodell mit einer gut gezielten rechten Geraden zuerst die Frage an die Stirn genagelt, welchen sinnvollen Grund es dafür gäbe, unser Geschäft auf Deutschland zu beschränken. Jetzt sitze ich im Zug von Berlin zurück nach Frankfurt, um morgen früh nach Budapest zu fliegen, während Maik noch in der Türkei beschäftigt ist. Unabhängig davon, dass wir in diesem Fall beide eher privat internationalisieren, haben Gespräche, wie das mit Adam und anderen Freunden, uns im vergangenen halben Jahr sehr geholfen, unser Geschäftsmodell zu umzingeln, die USPs herauszuarbeiten und nicht zuletzt herauszufinden, was wir definitiv nicht machen wollen. Als wir schließlich am Mittwoch, dem 5. September im Notariat am Alstertor in Hamburg gründeten, hatten wir eine Company, die sich von Tag 1 an, ohne Fremdkapital aufnehmen zu müssen, aus Umsatzerlösen finanziert, generisch wächst und im zweiten Jahr des Bestehens hochprofitabel ist. Auf dem Papier.

    Jetzt ist aus der Skizze auf einmal Realität geworden. Wir haben die Firma zum Leben erweckt. Die Annahmen, die unserer Liquiditätsplanung zu Grunde liegen sind immer noch richtig und wir beide immer noch davon überzeugt, dass alles so aufgeht, wie wir es planen, aber: Es fühlt sich jetzt anders an. Besser. Noch einmal anders als selbständig zu sein. Vielleicht klingt das jetzt ein wenig zu niedlich, aber bis letzten Mittwoch hatte ich die Verantwortung für mich, mein Einkommen, meine Steuern und so weiter. Jetzt habe ich die (Teil-)Verantwortung für Maiks und mein Baby, eine Idee, die nicht scheitern darf, unsere Firma, die größer ist als wir beide, auch wenn wir nach wie vor unsere einzigen Angestellten sind. Die Tatsache, dass die Skizze auf einmal lebt, dass aus dem tumben Stück Holz eine vitale Marionette geworden ist, hat demnach zwei Effekte:

    1. Der Druck und somit die Konzentration sind deutlich gestiegen.
    2. Das Gefühl, mit jeder Mail, jedem Telefonat, jeder Unterschrift, jedem Euro auf dem Firmenkonto, Zukunft zu gestalten und unserem Ziel ein Stück näher zu kommen, ist schlichtweg überwältigend großartig!

    Nachdem ich die vergangen neun Monate in diversen Start Ups gearbeitet habe, die Stimmung, den „Venturegeist“, die extrem gut ausgebildeten, kreativen Menschen und die fehlenden Hierarchien und Entscheidungswege mal mehr mal weniger genossen habe, kann ich jetzt festhalten: Selbst Gründer zu sein ist noch einmal um einiges geiler, als „nur“ dabei zu helfen, eine (fremde) tolle Idee zum Erfolg zu führen.

    Ich habe keine Ahnung, ob das alles gerade großen Sinn macht, da ich (s.o) in der Tat hundemüde bin, aber irgendwie fühle ich mich nach Resümee.

    Um nicht kompletten Murks zu schreiben, lege ich das Dokument jedoch lieber ein paar Tage Beiseite und mache nächste Woche weiter. Sprich: jetzt! Hier also die wichtigsten Dinge, die in den vergangen nunmehr drei Wochen passiert sind:

    Mittwoch, 05.09.

    •  Vertragsverhandlungen mit einem potentiellen Vermarktungsmandanten.
    •  Gründung bei Wasser und Merci. (starker Kanzleiname!)
    •  Anschließend kleiner Umtrunk in der Marsbar in Eppendorf mit diversen Überraschungsgästen. Sensationell! Vielen Dank für die Geschenke übrigens. Die kleinen schwarz-roten Boomboxes erfreuen meine Mitreisenden gerade dermaßen, dass die schwarzgefärbt-überschminkte Emonette mir gegenüber in 30 Sekunden vollends davon überzeugt sein wird, dass ich eine Granate für sie finge. Mit dem BVDW-Aufnahmeformular muss ich erst noch warm werden…

    Donnerstag, 06.09.

    •  Frühstück einkaufen
    •  Rührei für die Jungs von Plan P machen, die uns das beste Logo der Welt beschert haben. Maik stellt im Gegenzug das weltbeste Rührei her.
    •  Termin bei der Haspa zur Konto-Eröffnung.Fünfzehn Seiten Formulare und wieder die Feststellung: Christian Lea durch Personalausweis identifiziert – Maik Nöcker ist dem Hause bekannt. Ich werde langsam misstrauisch.
    • Rückfahrt mit dem Zug nach Frankfurt. Abends Wein.

    Freitag, 07.09

    •   Erster Agenturdeal in der Mailbox. Morgens Sekt.

    Montag, 10.09.

    •  Lunch in Berlin mit potentiellem Vermarktungsmandanten.
    •  Dinner in Hamburg, same same, but different.

    Dienstag, 11.09.

    • Ad Tech-Workshop Teil 1 bei uns im Büro. Allein mit vier Developern. 
    • Abends Lokal 1. Historische Stätte. Es gibt Lamminnereien und eine Lehrstunde in Sachen Biofleisch/-schlachtung und „ja, das kann man auch essen.“ Folge: nachts Schnaps.

    Mittwoch, 12.09.

    • Ad Tech-Workshop Teil 2. Ich schaffe es, die Worte „das kann man so nicht machen“, komplett auszublenden und verabschiede mich vorzeitig zum Bahnhof.

    Donnerstag, 13.09.

    • Online Advertising-Workshop in Berlin.
    • Abends Rückfahrt nach Frankfurt.
    • Wasserschaden im Wohnzimmer

    Freitag, 14.09.

    • 8.40: Flug nach Budapest. Kurzurlaub.
    •  Ich lerne, dass man bei 40%igem Palinka noch die Früchte durchschmecken kann, bei 50%igem nicht mehr. Welche Früchte, frage ich mich und nehme mir vor, unbedingt noch mehr über dieses faszinierende Land zu lernen.

    Montag, 17.09.

    •  Steuerberater beruhigen.
    •  Erster Termin Agentur-Roadshow steht.
    •  Erster Vermarktungsvertrag unterschrieben.

    Dienstag, 18.09.

    • Zweiter Termin Agentur-Roadshow steht.
    • Büroräume final verhandelt.
    • Erstes Produkt fertig.

    Mittwoch, 19.09.

    • Scheitern am morgendlichen Versuch, auf Kundenanfrage spontan Design-Screens in der Apple Vorschau zu erstellen.
    • Schließlich doch noch erste Angebote an Kunden verschickt.
    • Zweiter Vermarktungsvertrag unterschrieben.
    • Erstellung der Website in Auftrag gegeben.

    Donnerstag, 20.09.

    • Langwierige Abstimmungen zu technischen „Innereien“. Taufe den Tag spontan in AdTag-Tag um und entscheide, dass mein nächstes Auto ein XML sein wird.
    • Dritter Termin Agentur-Roadshow steht.
    • Abends spontan das neue Restaurant von Tim Lohninger ausprobiert. Essen gut, weiteres Telefonat mit Steuerberater morgen früh unumgänglich.

    Freitag, 21.09

    • Telefonat mit Steuerberater verschoben.
    • Verhandlungen mit potentiellem Mandanten aufgenommen.
    • Weitere Kundenangebote verschickt.
    • Zweites Produkt entworfen.

    Ach so, die Nutten hätte ich beinahe vergessen. Wir hatten bei einem Döner-Break auf der Reeperbahn eine sensationelle Marketing-Idee, für die wir „professionelle“ weibliche Hauptdarsteller benötigen. Ein befreundeter Hamburger Gastronom versprach, uns beim Casting behilflich zu sein. Bislang sind wir aber noch nicht wirklich weiter gekommen. Sobald die ersten Sedcards eingetroffen sind, gibt’s auch zu diesem Thema alle notwendigen Informationen.

    Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass Maik und ich einen Riesenspaß haben und DigThis Media, die beste berufliche Entscheidung ist, die ich bislang getroffen habe. Die nächste Woche wird noch arbeitsreicher und noch spannender, und dann können wir hoffentlich bald auch unserem Kundenberater bei der HASPA ein klitzekleines Lächeln entlocken.