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  • October 2, 2012 9:46 pm

    Met aus Schädeln - eine Lehrschrift // Oder: Der wahre Einfluss der Wikinger auf das Leben, die Weltkulturgeschichte und alles andere

    Davon ausgehend, dass es sich bei all meinen Lesern um halbwegs gebildete Menschen handelt, die zumindest die Grundschule abgeschlossen und ein weiteres Buch außer „Oh wie schön ist Panama“ gelesen haben, will ich mich nicht mit langen Vorreden zu diesem leidigen „Columbus-Vorfall“ (oder wie wir Skandinavier sagen: „Santamariagate“) aufhalten. Inzwischen dürfte auch dem letzten Intelligenz-Exilanten bekannt sein, dass Christobal Colon, das alte Ölauge, nach drei Wochen Pflaume in Madeira an Seegang weich genug war, um die Bahamas mit Indien zu verwechseln. Oder noch schlimmer, Amerika mit Indien mit den Bahamas zu verwechseln. Trottel. Allein die Größe der Landmasse hätte ihm einen Hinweis darauf geben können, dass seine morsche Karacke weder „da wo der Pfeffer wächst“ noch in God’s own country auf Grund gelaufen war. Wie dem auch sei. Wir halten dem armen Kerl zu Gute,  dass er seit 15 Jahren ausschließlich portugiesisches Essen zu sich genommen hatte, und wenden uns dem spannenden Teil der Geschichte zu.

    Amerika wurde bereits um 1000 nach Christus von Leif Eriksson entdeckt. Fakt. Leif ist vom schönen, aber so gar nicht grünen Grönland nach Westen gesegelt, um jenseits des großen Wassers fruchtbares Land und/ oder ein wenig Abwechslung für den bereits mit einer dicken Ziegenkäse-Knäckebrot-Robbenspeck-Kruste versehenen Kochkessel zu entdecken. Dabei stieß er eben ganz nebenbei auf Amerika, baute eine Siedlung, der er den schönen altwestnordischen Namen L’Anse aux Meadows gab, zündete ein paar Wigwams an, klemmte sich Obst und Gemüse unter die Arme und segelte wieder heim. Kaum war er von Bord gesprungen, veranstaltete man zu seinen Ehren eine ausschweifende Fete, hielt weitschweifende Reden, schenkte ihm eine handvoll langschweifige Pferde und verlieh ihm schließlich den furchteinflößenden Kampfnamen „Leif, der Glückliche“.  Sein Vater Erik, der Rote wurde ganz rot vor Aufregung, und er knuffte seinen Bruder, Olaf, den Blauen, solange in die Seite bis die…aber lassen wir das. Ich schweife ab.

    Wie es bei ordentlichen isländischen Staatsbürgern zu dieser Zeit Brauch und Sitte war, trank man während der Fete ausgiebig auf Leifs Wohl. Der Met, den Leifs Frau Thorhild eigens für diesen Zweck in Großmutters bestem Kupferkessel gekocht hatte, wurde traditionell in den Schädeln, der von Leif im Übermut erschlagenen Indianer, serviert. Met ist ein aus Honig und Wasser bestehendes Getränk, dass, je nach Glück bei der Gärung, 11-20% Alkohol enthält.  Für unsere Party People auf Island – nennen wir sie der Einfachheit Wikinger – hatte „das Getränk der Asen“ zweierlei Bedeutung:

    1. Möglichst schnell möglichst dicht werden (Wirkungstrinken)
    2. Möglichst schnell möglichst dicht werden und die nebenbei verzehrten Speisen wahlweise Odin, Thor oder Loki widmen. (Opfertrinken / Rituelles Trinken) 

    Der aufmerksame Leser entdeckt hier nicht nur die Grundlage (und entscheidende Konstante) der christlich-abendländischen Kultur, sondern einen wichtigen Hinweis auf den tatsächlichen Einfluss der Wikinger auf die Weltgeschichte.  Der Trank der Asen (Götter) und somit das Wort „Met“, das „flüssige Gold“ spielte im nordischen Alltag, wie man sich vorstellen kann, eine große, ja übergeordnete Rolle, da es nicht nur den Segen der Götter, sondern auch noch jede Menge Spaß, neue Freunde und Aufwachen mit fremden Boxershorts auf dem Kopf bedeutete.

    So taten also die Wikinger, neben Gemüse ernten, Schädel sammeln und trinken, nichts lieber als ihr Met in die Welt hinaus zu tragen. Da sie auch in diesem Ansinnen äußerst bestimmt und nachhaltig zu Werke gingen, findet man eine direkte Folge ihres fast missionarisch zu nennenden Eifers, bis heute in ganz Europa. (Man sehe mir das Wort „missionarisch“, das so gar nicht in diesen Kontext passt an dieser Stelle nach – Ziel war es, eine inhaltlich saubere Überleitung zur folgenden Anekdote zu schaffen, die ich durch diesen dreizeiligen Klammertext nun final vergeigt habe.)

    Wenige Wochen nach dem rauschenden Fest in Leifs idyllischem, isländischen Heimatdorf, machte sich der Glückliche frisch ausgenüchtert auf nach England, um den dort ansässigen Teetrinkern das METrische System nahe zu bringen. Die Geschichte lehrt uns, dass die Eingeborenen sich standhaft weigerten, das Glück verheißende Kulturgut aus dem Norden zu akzeptieren. Leif, der weder mit geschliffenen Worten, noch Klingen zum Erfolg zu kommen schien, plünderte und brandschatzte darauf hin zwei Franziskanerklöster in der Nähe von Hull und trieb die Mönche in die zu dieser Jahreszeit empfindlich kühle Nordsee. Die Franziskaner hatten solch panische Angst vor dem wilden, rotbärtigen Zwei-METer-Hünen und dem todbringenden METall, dass er in seiner Rechten führte, dass sie mit dem Mut der Verzweiflung bis nach Hamburg schwammen, dort im Vorbeirennen das nach ihnen benannten Franzbrötchen erfanden, und sich schließlich in der Nähe von München niederließen, um Bier zu brauen. Leif der Glückliche kehrte frustriert nach Hause zurück, ohne zu wissen, dass er nach der Entdeckung Amerikas auf eine Neues entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung der Menschheit genommen hatte.

    Zu müde und zu erschöpft um sich zu wehren, ließ sich Leif von Thorhild bereitwillig das ThermoMETer unter die Zunge schieben und würgte nach der kurzen Untersuchung sogar den METigel hinunter (das ist nicht einwandfrei belegt), den sein Weib voll der Sorge für ihn zubereitet und mit Ziegenkäse und Fähnchen aus geschabtem Robbenleder dekoriert hatte.

    Obschon sich Thorhild rührend um ihn kümmerte und die Männer des Dorfes voll des Lobes ob seiner neuerlichen Abenteuer waren, ließ ihn das Fernweh, das Leif bereits seit seiner frühen Kindheit plagte, nicht los. Eines schönen Tages, es muss kurz nach dem Buß- und Mettag gewesen sein, fasste er, berauscht von den Opferfeierlichkeiten des Vorabends einen spontanen Entschluss: Er würde nach Ungarn reisen, um seinen alten Sangesbruder Fips SMETana zu besuchen. Dieser hielt sich zwei zauberhafte METressen, die die Fähigkeit besaßen, mit ihren, sagen wir mal METaphysischen Begabungenen ermattete Krieger METhodisch wieder aufzurappeln. Thorhild war von dieser Idee mitnichten begeistert, doch schließlich ließ sie ihren Mann ziehen, wusste sie doch, dass sie der Künste, derer es bedurfte die METamorphose vom METhusalem zurück zum aMEThyst-gleich strahlenden, schönen Kriegshelden zu befördern, nicht mächtig war.

    Schon wenige Stunden nach Eintreffen auf SMETanas Anwesen kam Leif eine METapher in den Sinn, die treffender nicht sein könnte, um das wunderschöne Land und die Gastfreundschaft seiner Einwohner zu beschreiben: „Das Land in dem Milch und Honig fließen.“ Milch leitet sich aus dem altwestnordischen „mjølk“ ab. Das Wort Honig (franz. miel) wiederum hat seinen Ursprung im indogermanischen Wort „medhu. Im Norwegischen, Dänischen und Schwedischen leitet man bis heute das Wort „mjød“, Englisch „mead“ davon ab. Wir können also unter Beibehaltung aller notwendigen, wissenschaftlichen Sorgfalt getrost davon ausgehen, dass Leif, als er diese Redensart prägte, die später auch in die Bibel übernommen wurde, eigentlich  sagen wollte: „Ein Land in dem Met und Met fließen“. Also, im übertragenen Sinn: „Ein Land in dem ich an jedem Morgen mit einer fremden Boxershorts auf dem Kopf aufwache“

    Die Verwechslung von mjølk und mjøld in späteren Transkriptionen ist eindeutig Leifs schwer zu entziffernder, weil ungeübter, Handschrift geschuldet.

    Ich hoffe, mein kleiner Beitrag hat ein wenig zum Nachdenken angeregt. Voll des Freude durfte ich heute Abend feststellen, dass Studiengebühren auf eine gewisse Art und Weise doch eine Investition darstellen.  

    Merke: Es gibt etliche Rätsel der Menschheitsgeschichte, die bis heute ungelöst sind.

    Weitere Lehrmaterialien zu diesem und anderen Themen gibt’s schon bald ebenfalls hier und im gut sortieren Buchhandel. Also, auf jeden Fall HIER.

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